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Am Freitag, den 22.4.2016 organisierte verdi eine so genannte aktive Mittagspause von 11-13 Uhr, um ihren Forderungen in den Verhandlungen um einen Haustarifvertrag Nachdruck zu verleihen. Gefordert werden 8% mehr Lohn, außerdem wird sich u.a. um die Höhe der „gewinnorientierten Einmalzahlung“, ein Ersatz für Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sowie Zuschläge für Holen aus dem Frei gestritten. Eine typische Tarifauseinandersetzung also? Ja und nein. Ja, denn das Vorgehen entspricht den üblichen Ritualen einer Tarifverhandlung, in der sich der Klinikkonzern Helios bisher dadurch auszeichnete, sämtliche Forderungen als überzogen abzulehnen. Der nächste Schritt wäre ein Warnstreik. Nein, da die von den Beschäftigen als größte wahrgenommene Problematik, der absichtliche Personalmangel ist.

Damit verbunden sind immense Arbeitsbelastung, Krankheitsausfälle, Überstunden, das erwähnte permanente Anrufen im Frei oder Arbeiten in Unterbesetzung. Hinzu kommt ein Druck seitens der Vorgesetzten, der oftmals die Grenze des rechtlich legalen überschreitet. Es wird mit Kündigungen bei nicht erbrachter Leistung gedroht, wie im Fall des Patienten Service (beschäftigt in einer Untergesellschaft ohne Tarifvertrag) oder gar in einem Fall eine Kündigung mündlich ausgesprochen. So erging es im Januar einer Krankenschwester, die sagte sie könnte aus gesundheitlichen Gründen in einer Unterbesetzung zwar einige PatientInnen mehr versorgen, jedoch nicht die Anzahl, die die Pflegedienstleitung (PDL) von ihr verlangte. Die PDL sprach ihr ohne rechtliche Grundlage die Kündigung aus und schickte die Kollegin nach Hause. Die Vorgesetzte des Reinigungspersonals (beschäftigt in einer weiteren Untergesellschaft ohne Tarifvertrag) denkt sie könne den Urlaub mehrerer KollegInnen nach eigenem Gutdünken gegen deren Willen verplanen. Die Stimmung unter den Beschäftigen stünde also gut, sich in großer Anzahl an einer Aktion zu beteiligen, um gegen diese Missstände zu demonstrieren. Leider sind die Arbeitsbedingungen und der Druck durch den Helios Konzern weder Gegenstand der Tarifauseinandersetzung noch der innergewerkschaftlichen Diskussion. Gerade bei letzterem weist die zweitgrößte bundesdeutsche Gewerkschaft ein mangelndes Verständnis von Demokratie und Beteiligung der Mitglieder an Entscheidungen auf. So wurden nicht alle Mitglieder zu einer Versammlung eingeladen, wo über die Aktion entschieden werden sollte. Frappierender ist aber, dass gerade dort wo Unmut und Arbeitsbelastung am höchsten sind, also auf den Akutstationen, welche auch den größten Anteil unter den Beschäftigen ausmachen, der Termin für die Aktion nicht bekannt gegeben wurde! So beteiligten sich überwiegend höher qualifizierte Beschäftige aus den Funktionsbereichen. Zwar war die Beteiligung an der Aktion nicht schlecht, aber sie hätte deutlich höher ausfallen können. Dennoch war auch ein wenig Eigeninitiative zu verzeichnen. Es wurden selbst gemalte Schilder gehalten, die sich vom ewigen „Gute Arbeit – Gutes Geld“ abhoben und die erwähnten Missstände kurz und knapp thematisierten. Etwa: „Personal statt Profit“ oder „Ihr könnt uns mal: Respektieren“. Auch sorgten Aktive der Unabhängigen Betriebsgruppe in den Gesprächen dafür, dass unter den KollegInnen über die Missstände diskutiert wurde. Nichts grundlegend neues also. Aber niemals umsonst. Jede Möglichkeit Solidarität unter den Beschäftigen auszubauen muss und wird wahrgenommen werden.

Artikel der Sektion Gesundheits- und Sozialberufe in der Direkten Aktion München 1. Mai 2016