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Seit Jahren verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen am Helios Klinikum in Dachau, regelmäßig gibt es Proteste gegen die entsprechenden Zustände. Doch trotz öffentlicher Aufmerksamkeit und der dringenden Notwendigkeit einer Verbesserung der Bedingungen reagiert Europas größter Klinikkonzern nicht und wartet lieber, dass das öffentliche Interesse weiter abebbt. Die Zeitung Direkte Aktion hat mit einem Mitglied der Betriebsgruppe zu den aktuellen Entwicklungen interviewt. Wir veröffentlichen hier das ungekürzte Gespräch mit Matthias Gramlich.

InfostandDahDez16 2Direkte Aktion: In der Helios Amper-Klinik Dachau scheint nicht alles rund zu laufen.In der Lokalpresse werden mittlerweile regelmäßig Gruselgeschichten aus dem Alltag von Patienten und Personal veröffentlicht. Mit welchen Missständen seid ihr konfrontiert?

Matthias Gramlich: Es fehlt Personal an allen Ecken und Enden. Vor allem im Bereich der Pflegekräfte, die die größte Berufsgruppe stellen. Aber auch beim Reinigungspersonal und bei den Menüassistentinnen (vormals Patienten Service). Das bedeutet, dass aufgrund der Personalknappheit Dienstpläne nur mit Überstunden bzw. mehr eingeplanten Stunden möglich sind, diese auch oftmals erst kurz vor Monatsbeginn erscheinen. Durch die hohe Arbeitsverdichtung fallen immer wieder KollegInnen krankheitsbedingt aus. Die Ausfälle sollen aus den Teams kompensiert werden. Manche springen aus ihrem Frei ein, das heißt weniger Freizeit und Aufbau der Stunden, die niemals in Freizeit ausgeglichen werden können und in der Regel nicht ausbezahlt werden. Oder es werden Ausfälle einfach nicht kompensiert, was Arbeiten in Unterbesetzung bedeutet. Zum Teil mit mehr als einer Kollegin weniger. In Dachau werden pro Pflegekraft eh schon mehr PatientInnen betreut als im Bundesdurchschnitt. Manchmal betreut eine Pflegekraft bis zu 30 PatientInnen, im Normalfall 15 bis 17. Bundesdurchschnitt wären 13. Reinigungspersonal wird massiv von der Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Es hagelt haufenweise Abmahnungen. Urlaub wird zugeteilt, ohne auf Wünsche einzugehen, oder erst mal gar nicht gewährt. Das sind jedenfalls die Vorwürfe, die an uns heran getragen werden. Da aber die meisten eingeschüchtert sind, werden die Fälle nicht weiterverfolgt und können letztlich nicht konkret geprüft werden. Das ist frustrierend, da hier ja anscheinend bewusst geltendes Recht missachtet zu werden scheint. Auch die Menüassistentinnen, die für die Essensausgabe zuständig sind, müssen auch oft allein statt zu zweit auf den Stationen mit bis zu 77 PatientInnen arbeiten. Ihre Dienstpläne wurden schon nachträglich geändert, so dass ihnen mehr Dienst zusätzlich aufgedrückt wurden. Man kann sagen, dass die Arbeit im Krankenhaus, auch den öffentlichen, aber natürlich absolut bei den Klinikkonzernen, mittlerweile einer Fabrik gleicht, in der Tätigkeiten in einem enormen Tempo abgespult werden. Die Berufsgruppen sind in verschiedene Gesellschaften und Untergesellschaften aufgesplittet. Vordergründig zum Lohndumping bzw. Unterlaufung von Tarifverträgen. Der andere positive Nebeneffekt für die Gegenseite ist natürlich die fortschleichende Entsolidarisierung unter den KollegInnen.

Die Dachauer Klinik wurde 2005 privatisiert. 2014 wurde sie vom Helios-Kliniken Konzern übernommen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Missständen und der Privatisierung?

Viele der Missstände bestanden bereits vor der Helios Übernahme. Allerdings gehörten die Amper Kliniken zuvor zu deren Konkurrenten Rhön Klinikum AG, welche auch auf reiner Gewinnmaximierung basierte. Wir haben seit Jahren Personalmangel und hohe Arbeitsbelastung kritisiert. Aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass man die Bedingungen derart weiter verschlechtern kann. Seit der Übernahme durch Fresenius-Helios hat der Druck massiv zugenommen. War Rhön eher „liberal“ in seiner Handhabe und Organisation der einzelnen Kliniken, muss man Helios als zentralistisch und straff bis autoritär bezeichnen. Alle Führungspersonen wurden durch junge vom Konzern geschulte und ich sage jetzt mal vorsichtig: bis in die Haarspitzen motivierte Führungskräfte, die voll auf Linie laufen, ersetzt. Man hat oft den Eindruck als würden Vorgesetzte die KollegInnen nicht als Personen oder gar Menschen betrachten. Es darf wohl keinerlei Berührung auf persönlicher Ebene geben, sonst würde ihre Autorität ja untergraben. Es ist hart, wenn man mitbekommt, wie respektlos mit KollegInnen, Mitte 50 und schon körperlich deutlich gezeichnet von den Jahren in diesem körperlich belastenden Beruf, umgegangen wird. Die meisten Vorgesetzten sind nicht greifbar, irgendwie glatt. Es kommt vielen KollegInnen so vor, als würden sie versuchen mit dem Terminator zu diskutieren. Nach und nach wurden bereits vorher existente Untergesellschaften in ein undurchsichtiges Geflecht aus Helios eigenen Untergesellschaften eingegliedert. Hauseigene Outsourcing Gesellschaften, wie KDI Service GmbH, in der Service, Pfortenpersonal und Hol- und Bringdienst (vergleichbar mit Hausmeistern) beschäftigt waren, wurden Ende 2016 aufgelöst. Die komplette Küche wurde Juli 2016 geschlossen, das Essen wird gefroren geliefert. Die KollegInnen werden in Firmen, wie Helios Süd Catering GmbH, Helios Facility Management Bayern GmbH übernommen. Wenigstens ohne Änderungskündigungen. Jetzt sind sie aber noch mehr spürbar Leute „zweiter Klasse“. Dem Hol- und Bringdienst ist es bspw. nicht mehr erlaubt im etwas verbilligten Personaleinkauf der hauseigenen Apotheke zu bestellen. KDI hatte zwar einen Betriebsrat, aber den konnte man in der Pfeife rauchen. Der stand komplett auf der anderen Seite. Reinigung ging im September 2014 an Helios Reinigung Region Bayern GbmH. Es werden Tätigkeiten verschoben oder abgeschafft, z.B. Codierkräfte, die Patientenakten hefteten. Das soll seit letztem August nun die Pflege machen. Menüassistentinnen sollen nur noch Essen verteilen. Das Putzen von Infusionsständern, Bettgittern etc. sollte ab Juli auch die Pflege übernehmen. Die Pforte ist nun über Nacht geschlossen, die PförtnerInnen sitzen in der Nacht in der Notaufnahme und nehmen PatientInnen auf, eine Tätigkeit, für die sie nicht ausgebildet sind. Helios hat mit 15% eine deutlich höhere Umsatzerwartung als Rhön oder der andere verbliebene Konkurrent Asklepois (12%). Es wird an allem gespart, was man sich vorstellen kann. Arbeitsmaterial, Abläufe usw. und natürlich am Personal. Helios brüstet sich in seinen vielen Publikationen damit, mit weniger Personal als die anderen dennoch medizinisch über dem Durchschnitt zu sein. Verschleißprodukte, Infusionen, Antibiotika kommen vom Schwesterunternehmen Fresenius Kabi statt von B. Braun. Mit den 43 ehemaligen Rhön Kliniken können nun 43 Kliniken aus dem eigenen Fresenius Kosmos beliefert werden. Eine win-win-Situation.

Was muss passieren, damit Patienten ordentlich versorgt werden können? Wie kann die gesundheitsgefährdende Belastung für die ArbeiterInnen beseitigt werden?

Das ist schnell beantwortet. Bei personellen Engpässen sofort Betten sperren, das heißt auf Neuaufnahmen verzichten bis sich die Situation beruhigt hat. Das ist in den öffentlichen Kliniken hier im Umkreis Gang und Gebe. Aber das geschieht auf Teufel komm raus eben nicht! Und genau deshalb wird die vorher beschriebene Arbeitssituation auch ein Teufelskreis bleiben, da niemals irgendwo Ruhe einkehren kann. Das ständige Arbeiten über dem Limit des Machbaren birgt die Gefahr, dass Fehler passieren. Die Obersten von der Konzernzentrale in Berlin betonen immer wieder, dass mehr Pflegepersonal nicht bessere Pflege bedeuten würde. Wo liegt denn da die Logik? Ich habe keine Statistiken auswendig gelernt. Ich glaube, man möchte sich dieser Diskussion bei Helios gar nicht stellen, weil es eh nicht in Frage kommt. Aber es liegt doch auf der Hand: Mehr Pflegekräfte können PatientInnen mehr versorgen, also auch besser. Mehr Reinigungspersonal kann effektiver und v.a gründlicher putzen. Mangelnde Hygiene war ja auch ein Vorwurf. Es liegt eben nicht an der Arbeitsorganisation oder der oft erwähnten „Motivation“. „Motivation“ wird hier gleichgesetzt mit Identifikation und Arbeitsorganisation mit straffem von oben nach unten delegieren. Es demotiviert die KollegInnen, wenn sie am Ende der Schicht das Gefühl haben, dass sie ihre PatientInnen nicht so versorgen konnten, wie sie es wollten. Und die PatientInnen und Angehörigen bekommen sehr wohl mit, was das grundsätzliche Problem ist. Es müssen Mindestbesetzungen erstritten werden, sonst hört das nie auf. Oder anders: Wenn wir nicht selbst dafür sorgen, dass die Entwicklung gestoppt wird, werden wir immer mehr gekürzt und uns noch mehr Tätigkeiten aufgebrummt. Ob es ethisch vertretbar ist die Gesundheitsversorgung aus der öffentlichen Hand in die von Konzernen zu geben ist doch rhetorisch und vollkommen irrelevant. Dieser Zug ist schon lang abgefahren. Die Dinge sind, wie sie sind. Wir haben also keine andere Wahl als zu kämpfen.

Am 25.Oktober 2016 habt ihr zur Podiumsdiskussion über die Arbeitsbedingungen eingeladen. Der Saal war so überfüllt, dass einige Interessierte gar nicht mehr zur Tür herein kamen. Welche Erkenntnisse hat der Abend gebracht?

Wir haben damit gerechnet, dass viele komme würden. Dass so viele daran teilnehmen hat unsere Erwartungen übertroffen. Die Podiumsdiskussion war lange vor den Presseberichten geplant. Als dann breit berichtet wurde kamen immer nur offizielle Stellen zu Wort, also Betriebsrat, Klinikgeschäftsführung. Wir aber wollten allen Beschäftigten die Möglichkeit bieten selbst die alltägliche Situation zu schildern. Und das wurde angenommen. Man hat gesehen, dass viele sich richtig überwinden mussten in großer Runde was zu sagen. Aber sie haben es getan. Von den 80- knapp 100 Beteiligten waren maximal zehn keine Klinikbeschäftigten. Es war mehr los als auf Betriebsvollversammlungen. Man darf sich aber nicht allzu viel Konsequenz erwarten. Im Oktober wurden im Zuge der Presseberichte schnell Stationshilfen über einen externen Dienstleister eingestellt, die die uns zusätzlich aufgedrückten Tätigkeiten wie Putzen der Infusionsständer, Betttgitter, Toilettenstühle übernehmen. Mittlerweile sind sie fest bei der Tochterfirma Helios Reinigung Region Bayern GbmH eingestellt, wo wie bereits erwähnt massive Einschüchterung vorherrscht. Ansonsten wird jegliche Kritik ausgesessen. Die Presseberichte ebben ab. Die Verhältnisse sind die selben. Man kann sogar sagen, dass es sich noch verschärft hat. Das Arbeiten mit weniger Leuten pro Schicht ist ungelogen tägliches Brot. Die KollegInnen arbeiten weiter über dem Limit des erträglichen. Eine Erkenntnis des Abends war, dass man so viel kritisieren kann, wie man will. Das prallt ab und mit schlechter Presse kann man bei Helios scheinbar gut leben. Irgendwann kehrt wieder Ruhe ein und man kann seinen Stiefel so weiterfahren. Der finanzielle Erfolg gibt Helios aus ihrer Sicht Recht. Es gibt auch einzelne Stimmen, die durch den beschädigten Ruf die Gefahr sehen, dass sich erst recht niemand mehr bei uns bewirbt. Aber sollen wir deshalb lieber schweigen? Klar ist, dass man die Auseinandersetzung auf einer weiteren Ebene führen muss. Man kann den Klinikkonzern nur treffen, wenn man ihm finanzielle Einbußen beschert. Ich meine damit Streik.

InfostandDahDez16 3Ihr bezeichnet euch als „Unabhängige Betriebsgruppe“. Was bedeutetet das und wie habt ihr euch zusammengefunden?

Wir waren ursprünglich 2006 eine verdi Betriebsgruppe. Allerdings wurde das gegenseitige Verhältnis schon nach dem ersten Flugblatt zur Tarifverhandlung nachhaltig zerrüttet. Man kann sagen, dass die verdi uns fallengelassen hat. Sie wollten nur ein paar Trottel, die ihre vorgedruckten Flugblätter verteilen. Das war eine äußert bittere Erfahrung. Wir haben weitergemacht und uns seitdem als organisationsunabhängig bezeichnet. Es war im Nachhinein das Beste, was uns passieren konnte und wir werden auch dabei bleiben. Wir sind keine klassische Betriebsgruppe. Das ist eher der Name nach außen. Seit 2009 erscheint die Betriebszeitung Antigen, in der einerseits die aktuelle Stimmung versucht wird aufzugreifen, andererseits kleine und größere Sauereien aufgedeckt werden. Die Zeitung ist polpulärer, als ihre Auflage annehmen lässt. Jedes Exemplar geht durch mehrere Hände. Außerdem gibt es mit dem Antigen Newsletter immer wieder kleinere Flugblätter. Die Betriebsgruppe ist an sich auch breiter. Es gibt schon einen festen Kern, dann gibt es mehrere im näheren Umfeld und einen Kreis, die es gut finden, aber selbst nicht aktiv sind. Es ist eher ein Netzwerk. Wir können behaupten, dass es in fast allen Abteilungen und Bereichen KollegInnen gibt, die Informationen weitergeben.

Wozu die Betriebsgruppe? Reicht euch der Betriebsrat nicht?

Im deutschen Arbeitsrecht ist alles auf den Betriebsrat reduziert. Und streiken darf man auch nur, wenn es die Gewerkschaft erlaubt. Einzelne MitarbeiterInnen haben wenig bis kein individuelles Recht. Wenn alles über eine Instanz geregelt werden soll, kann sich kein kollektiver Prozess entwickeln. Man bekommt Selbstbewusstsein, indem man selbst was probiert, was macht. Wir hatten am Klinikum Dachau bisher nur zwei Warnstreiks 2009 und 2014. So eine Erfahrung schweißt zusammen. Zwischen Beschäftigten und Unternehmen gibt es verschiedene Interessen. Der Betriebsrat ist zur „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ rechtlich gezwungen. Die Gewerkschaft macht es freiwillig. Wir wollen, dass wir Beschäftigten selbst für unsere Belange eintreten. Und es hat in der Vergangenheit punktuell schon öfter geklappt. Es wurden Dinge verhindert oder rückgängig gemacht. Und dabei waren wir nicht immer die, die es initiiert haben. Die KollegInnen einer Station haben z.B. Vorarbeit geleistet, sich eine Strategie überlegt und kamen dann zu uns und haben gesagt: Ihr macht jetzt aber schon mit! Genau so etwas wollen wir fördern. Natürlich war und ist das bei Einzelnen des Betriebsrats nicht immer gern gesehen. V.a. wenn man die Dinge danach ungeschönt in der Antigen nachlesen kann.

Wie arbeitet ihr und welche Beziehungen habt ihr zur Gewerkschaft FAU?

Wurde ja schon beschrieben. Rein rechtlich können wir als unabhängige Betriebsgruppe nichts machen. Die Arbeit ist nicht immer einfach. Unser Engagement beschränkt sich ausschließlich auf den Betrieb. Der verdi in München sind wir wohl zu unberechenbar. Es soll ja im Betrieb eine verdi Betriebsgruppe geben. Nur hat die nie jemand gesehen und so richtig gewählt wurde sie auch nicht. Bei den Warnstreiks wurde deutlich, dass verdi und wir eine sehr unterschiedliche Reichweite haben. Bei verdi engagieren sich meist besser gestellte, KollegInnen mit Fachweiterbildungen. Unser Wirkungsgrad ist auf den Normalstationen und bei Hilfsberufsgruppen, Reinigungspersonal, also bei denen, die eher weiter unten stehen. Bei uns sind Unorganisierte, verdi Mitglieder und auch FAU Mitglieder. Und im Endeffekt ist uns total egal, wer wo ist. Wir wollen was für alle erreichen. Man muss sagen, dass wir von außerhalb so gut wie keine Unterstützung bekommen. Die FAU haben wir als eine kleine Gewerkschaft kennengelernt, die bedingungslos auf Solidarität aufbaut und sich nicht hinter Formalitäten versteckt. Praktische Unterstützung kommt unkompliziert, z.B. als im Dezember drei Infostände in der Dachauer Altstadt gemacht wurden. Sie hat einen sehr praktischen Ansatz und sie ist basisdemokratisch. Und sie redet uns nicht in unsere Strategie und unser Vorgehen rein.

Im April 2016 wurde durch Ver.di in der Charité-Klinik in Berlin ein Tarifvertrag erkämpft, in dem Mindestbesetzungen auf den Stationen festgeschrieben wurde. Dabei wurden bei Ver.di neue Wege beschritten: Eine Kombination von demokratischer Einbindung der kämpfenden Basis, einer Solidaritätsbewegung außerhalb des Betriebs und einem Konzept, dass die Betriebsleitung zwingt Betten und ganze Stationen zu sperren. Wie wurde das bei euch unter den KollegInnen diskutiert?

Das war Thema und wir haben das sehr genau verfolgt. Es gab auch einen Artikel in der Antigen darüber. Die KollegInnen an der Charité haben einen ersten Schritt gemacht. Ich war auch auf einer Veranstaltung mit der Charité Betriebsgruppe in München. Dort haben sie erzählt wie sie das ganze ins Rollen gebracht haben. Sie mussten das erst bei verdi durchsetzen. Sie haben sich ein Unterstützungsumfeld in der Bevölkerung geschaffen, was auch sehr wichtig war. Und sie haben die Auseinandersetzung sehr basisdemokratisch geführt. Es gab in jeder Abteilung Tarifdelegierte oder Teamdelegierte, die den genauen Bedarf an Personal an die Tarifkommission vor der jeweiligen Verhandlung weitergegeben haben. Das heißt, es wurde vor Ort unter den KollegInnen die Situation diskutiert. Aktuelle personelle Besetzung, offene Stellen, wie viel Stellen benötigt man tatsächlich. Das ist schon ein Novum. Wenn auch das Ergebnis nicht für alle zufriedenstellend war, haben die Leute an der Charité neue Maßstäbe gesetzt. Verdi hat das bundesweit als eine Art Modell übernommen. Auch mit den Teamdelegierten. Nachdem man jahrelang vergeblich eine Mindestbesetzung in Krankenhäusern per Gesetz eingefordert hat, ist man endlich zum Kern gewerkschaftlicher Aktivität übergegangenen. Das ist gut, hat aber zu lange gedauert. Bei uns in Dachau hätte das schon längst passieren müssen. Die Voraussetzungen in einem Klinikkonzern sind andere als in einem öffentlichen Krankenhaus. Bei uns wird es härter. Es war das große Plus der Gegenseite die Beschäftigten anhand der Trägerschaft gegeneinander auszuspielen. Das könnte mit so einer Kampagne geknackt werden. Wir sollten uns auf eine längere Auseinandersetzung einstellen. Und wir werden die beabsichtigte basisdemokratische Herangehensweise nicht nur kritisch beobachten. Fest steht, dass wir jetzt die Chance haben was zu ändern. Dabei müssen alle an einem Strang ziehen. Die Situation in den Kliniken hat sich bundesweit derart zugespitzt, dass wir mit einer hohen Bereitschaft rechnen Dinge durchzusetzen. So wie es ist, kann es nicht bleiben.

Was sind eure Ziele für die nächste Zeit?

Streik!